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Kultur

09. Dezember 2016 | 16:30 Uhr

Trauriges Erbe : 175. Todestag von Stararchitekt Karl Friedrich Schinkel

vom

Er gilt als der wichtigste Architekt des deutschen Klassizismus. Doch in Berlin gibt es Sorge um das Erbe von Karl Friedrich Schinkel. Vor 175 Jahren starb der große Baumeister.

Die Gestaltung des Schlafgemachs für Königin Luise öffnete ihm einst die Türen zum preußischen Herrscherhaus: Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) wurde zum Baumeister des königlichen Hofs und prägte als klassizistischer Stararchitekt das Gesicht Berlins.

Das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, die Neue Wache, das Alte Museum, die Bauakademie, die Friedrichswerdersche Kirche und die Schlossbrücke entstanden nach seinen Entwürfen. Am Sonntag (9. Oktober) jährt sich der Todestag des mit 60 Jahren an einem Schlaganfall gestorbenen Preußen zum 175. Mal.

«Der Architekt Schinkel war in seiner Modernität, in seiner Neuheit bahnbrechend. Er ist bis heute ein Vorbild für alle Architekten», sagt Prof. Heinrich Schulze Altcappenberg, Direktor des Kupferstichkabinetts, das in einem Großprojekt das Erbe des Multitalents erforscht hat. Denn der gebürtige Brandenburger gilt nicht nur als einer der größten deutschen Baumeister und Städteplaner, sondern auch als begnadeter Maler, Grafiker und Bühnenbilder.

Allerdings würde sich der verehrte «Geheime Rath» wohl im Grabe umdrehen, wüsste er vom gegenwärtigen Schicksal zweier seiner Meisterwerke. Die Friedrichswerdersche Kirche, sein letzter noch ganz erhaltener Sakralbau in Berlin, ist durch den Bau von Luxuswohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft bedroht.

Das Hochziehen eines ersten Gebäudekomplexes an der Westseite hatte zu klaffenden Rissen in den Kirchengewölben geführt, der Putz fiel von der Decke. Derzeit entsteht unter strengen Vorsichtsmaßnahmen ein zweites, davon unabhängiges Projekt im Osten.

«Unsere ständigen Messprotokolle belegen: Die Kirche hat sich keinen Millimeter bewegt», sagt Uwe Schmitz, Chef der verantwortlichen Immobilienfirma Frankonia Eurobau. Rechtsanwalt Lothar Franz bestätigt als Vertreter der Kirchengemeinde, dass es vorerst keine neuen Alarmzeichen gibt. «Zum Glück, denn die bisherigen Schäden sind schlimm genug», sagt er.

Seit 2012 ist der neugotische Backsteinbau geschlossen, der Innenraum wird durch ein gigantisches Stahlgerüst abgestützt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die die Kirche seit 1987 als Ausstellungsraum nutzte, musste ihre wertvollen Skulpturen andernorts unterbringen. Wiedereröffnung ungewiss.

Noch düsterer ist es um die nur einen Steinwurf entfernte Bauakademie bestellt. Das 1836 entstandene Gebäude galt mit seinem Rastergrundriss und der geometrisch gegliederten Fassade als revolutionär für das 19. Jahrhundert. 1962 ließ die DDR die im Krieg schwer beschädigte Akademie abreißen, um für ihr - inzwischen ebenfalls abgerissenes - Außenministerium Platz zu schaffen.

Seit mehr als 20 Jahren laufen Bestrebungen, das historische Baudenkmal zu rekonstruieren. Doch Geldmangel, Interessenskonflikte bei den Fördervereinen und wohl auch mangelnder politischer Wille haben bisher ein Umsetzung verhindert. Die 2004 in Originalgröße errichtete Attrappe aus einem mit Planen behängten Gerüst rottet derweil vor sich hin. Unkraut statt Terrakottaboden.

Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hat die Hoffnung allerdings noch nicht aufgegeben. «Ich sehe dann große Chancen, wenn der Bund und das Land Berlin das in die Hand nehmen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Ein Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie würde die historische Mitte Berlin auf ganz wunderbare Weise komplettieren.» Der Todestag hätte eigentlich ein guter Anlass sein können.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 09:14 Uhr

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